Von Planerfrieden und Planerschuld

Ich möchte mich an einem neuen Blog-Format probieren: der Planerkolumne. Bebilderte Blogbeiträge, Tutorials und Reviews wird es weiter geben, aber mit den Kolumnen möchte ich versuchen Denkanstöße zu liefern und auf Probleme und Themen einzugehen, auf die ihr mich so hinweist oder mich bei beispielsweise Instagram zu Rate zieht.

Lasst es mich diesmal mit diesen Thema versuchen:

Planerfrieden

Zuletzt hat mich eine liebe Followerin gefragt, ob ich nun meinen Planerfrieden gefunden hätte. Ach. Ähm. Ja und Nein. Irgendwie war meine Antwort dazu. Wie lange habe ich dieses Wort nicht in den Mund genommen – „Planerfrieden“? Ich glaube jeder hat dazu eine ganz eigene Ansicht und ich möchte euch hier mal meine teilen.

Was ist dieser Planerfrieden eigentlich?

Vielen halten ihn für einen Mythos, manche sagen sie hätten ihn tatsächlich gefunden. Jeder definiert das für sich glaube ich ganz anders, aber was „Planerfrieden“ aus meiner Sicht bedeuten soll: Frieden mit seinem System, mit seiner Art zu Planen zufrieden zu sein, alle Termine zu koordinieren, zu wissen wo man was aufgeschrieben hat und alles wichtige im Blick zu behalten. Das kann meiner Meinung nach in einem oder aber auch in einer Kombination aus sechs Planern sein – jeder wie er es mag oder braucht. Wenn es das ist, dann habe ich meinen Frieden gefunden.

Vermutlich soll „Planerfrieden“ aber bedeuten, dass man DEN einen Planer gefunden hat und DAS eine Planersystem, so nach dem Motto: Bis das der Tod euch scheidet. Wenn es das ist, dann suche ich ganz klar NICHT danach.

Ich weiß nicht wie es euch geht, aber und das habe ich schon mehrfach erwähnt, ich stehe zu meinem Hobby und habe Spaß daran zu probieren, zu testen, zu optimieren. Daher mag ich es von Zeit zu Zeit mein System zu wechseln und von den Covern wollen wir ja gar nicht erst reden. Ich mein, wir ziehen ja auch nicht jeden Tag die gleichen Klamotten oder Schuhe an, oder? Naja, aber auch da, jeder wie er will. Warum ich jetzt aber davon schreibe? Ich habe laaaange gebraucht bis ich verstanden habe, dass ich diesen Frieden für mich gar nicht suche. Es ist ja nicht wie einen Auftrag zu haben, welchen man irgendwann abschließen muss oder will. Diesen Druck, den ich mir da gemacht habe, irgendwas zu finden was ich eigentlich gar nicht suche hat mich wirklich sehr gestresst. Es hat gedauert bis ich das verstanden habe. Und ich schreibe heute darüber, weil ich euch damit vielleicht auch ein wenig den Druck nehmen kann.
Also: Macht wonach euch der Sinn steht. Wenn ihr täglich euer Sortiment an Planern durchwechseln wollt, weil ihr eben verschiedene Farben habt, oder aber ein Cover nutzen wollt bis es auseinander fällt, ist das doch total euch überlassen. Manche wechseln Ihre Cover auch nach Jahreszeit. Warum auch nicht. Macht was auch immer euch Spaß macht.

Der Weg zum Planerfrieden führt an der Planerschuld vorbei

Habt ihr vielleicht aber eben noch nicht gefunden was euch glücklich macht, oder was sich gut anfühlt und ihr immer noch das Gefühl habt das Wesentliche zu vergessen oder nur das Falsche aufzuschreiben, dann kommt es oft zur sogenannten „Planerschuld“ (engl. planner guilt). Ein Begriff den man vielleicht noch nicht so oft gehört, aber definitiv schon gefühlt hat, da bin ich sicher. Eine richtige Definition dafür gibts gar nicht, aber ich versuche euch das Gefühl mal zu beschreiben.

Planerschuld

Durch die vielen Inspirationen auf Instagram, YouTube und Co. ist die Verlockung sehr groß wieder was neues auszuprobieren. Da hat man den wunderschönen Pocket-Planer bei jemanden gesehen. Das sieht alles so handlich aus und schön organisiert und schwupp hat man das Gefühl man MUSS das auch probieren. Dann wird ein Pocket-Planer gekauft, dazu noch gleich neue Einlagen – für Jahr, Monat, Woche und Tag – versteht sich, alles beschrieben, beklebt, gelocht, geschnitten…und dann einige Zeit und viel Geld später, merkt man, DAS ist es nicht. Man stellt vielleicht fest, dass das Schreiben mit Ringen gar nicht so einfach ist, die eigene Schrift zu groß und der Platz viel zu klein ist. Und dann gehts los. Man ist wieder auf der Suche nach etwas neuem und der Kreislauf beginnt von vorn. Instagram ist da ein ganz böser Ort, ich spreche aus Erfahrung! Jetzt schleicht sich leise und ganz langsam die „Planerschuld“ ein. Die Gedanken kreisen, dass man doch jetzt so viel Geld für den und den Planer und die Inserts ausgegeben hat, ist doch schade drum…womöglich hat man sich selbst und seinem Konto gegenüber so ein schlechtes Gewissen, dass man es auf Teufel komm raus eine Weile probiert, auch wenn man nur 3/4 seiner Aufgaben nicht aufschreiben kann, weil einfach kein Platz da ist. Aus Planer-Schuld, wird Planer-Pflichtbewusstsein bis hin zur möglichen Planer-Unlust. Fiese Sache. Ich glaub dagegen gibt es nicht so recht ein Gegenmittel, Jedenfalls hat keiner was davon, wenn ihr euch zwingt was zu nutzen, was nicht zu euch passt. Aber seid euch einer Sache ganz Gewiss: Alle Planerdamen haben ungenutzte Buchkalender, Ringplaner oder Cover zu Hause liegen. Wirklich.

Ich habe dieses Jahr ganz lange gebraucht, um mein System zu finden, weil ich immer wieder neu inspiriert wurde und dachte, dass ich wieder was neues probieren müsste. Daher verrate ich hier jetzt mal nicht, wie viele durchaus teuere Buchkalender, gedruckte Inserts und neubestückte und nicht genutzte Ringplaner für das Jahr 2022 bei mir liegen. Aber was ich euch verraten möchte, sind ein paar Tipps die euch vielleicht helfen diese Schuld nicht mehr zu verspüren.

Tipps um Geld zu Sparen und Planerschuld zu umgehen

  1. Macht euch eine Liste:
    Schreibt auf, welche Systeme und Größen euch interessieren und warum. Notiert euch dazu, welche Sachen ihr aufschreiben wollt, was ihr alles Planen wollt. Pro – und Contralisten helfen auch oft. Wer noch etwas mehr Starthilfe benötigt, kann hier gern mal nachlesen: Wie suche ich den richtigen Planer für mich aus?
  2. Personalisieren
    Versucht euren Planer zu personalisieren. Klebt Bilder rein, nutzt Farben die ihr mögt oder gestaltet alles so wie ihr das mögt. Ziel dabei ist es, es möglichst persönlich und individuell zu machen. Abgucken wird euch auf Dauer nicht glücklich machen, da alle andere Ansprüche haben. Es ist euer Planer. Ihr sollt daran Spaß haben und wenn ihr den gestaltet wie ihr es braucht hat das vermutlich gleich zwei Effekte für euch. Einmal nutzt ihr in viel lieber und schreibt öfter rein und außerdem gibt es keinen Vergleich an dem man sich messen muss oder könnte. Bleibt authentisch, dann klappt’s besser!
  3. Undatierte Planer
    Ich wollte es nicht glauben, aber es ist wahr. Ihr nehmt euch selbst den Druck, wenn ihr undatierte Planer/Einlagen nutzt. Ihr könnt zu jeder Zeit anfangen und ebenso zu jeder Zeit pausieren. Bei mir ist es oft so, dass ich bei der Arbeit beispielsweise so schrecklich viel zu tun habe, dass ich gar nicht mehr viel Platz/Zeit für private Sachen habe. Dann ist so ein vordatierter A5 Tagesplaner ja echt eine Verschwendung, meint ihr nicht? Für mich jedenfalls, denn leere Seiten kann ich nicht so gut vertragen. In solchen Phasen wechsle ich lieber in kleinere Planer, weniger Platz = weniger Weißraum 😉 Bei undatierten Planern mache ich mir dann eine Notiz das ich den Planer gewechselt habe und komme zurück, wenn mir danach ist. Damit nichts verloren geht nutze ich zusätzlich einen Referenzplaner.
  4. Es gibt keine Gesetze
    NIEMAND kann oder sollte euch vorschreiben wie ihr euren Planer benutzt. Wenn ihr merkt, dass es nicht funktioniert, beispielsweise im Hobonichi Cousin, stündliche seine Termine einzutragen, weil man eben gerade nicht so viele hat, spricht rein gar nichts dagegen, wenn ihr in dieser Zeit (Pandemien könnten da ein gutes Beispiel sein) diesen Platz einfach für Tagebucheinträge nutzt oder was auch immer euch einfällt. Die einzige Regel die es gibt: Es gibt keine Regeln. Euer Planer = Eure Regeln

Das sind 4 einfache Tipps die euch vielleicht auch ein wenig helfen die Dinge etwas lockerer anzugehen. Nehmt den Druck raus und habt Spaß. Es ist euer Hobby!

In diesem Sinne – Planer raus und bis demnächst

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6 Gedanken zu „Von Planerfrieden und Planerschuld

  1. Sehr schöne und toll geschriebene Kolumne. Ich kenne sehr wohl den „Plannerfrieden“ zumindest was ich darunter verstehe als auch die Plannerschuld. Ich glaube für Neueinsteiger in die Welt der Planner ist es sicher schwer nicht in die Plannerschuld zu verfallen aber auch wir alten Hasen kommen immer wieder ins Zweifeln ob es nicht ein Fehler war das zigtausendste Cover oder Insert gekauft zu haben. Aber ich sehe es auch mehr als Hobby mit dem Bonus wichtiges nicht zu vergessen. LG

    1. Vielen Dank Andrea, für deine Meinung.
      Ich bin auch ein alter Hase und habe die Schuldgefühle erst Anfang diesen Jahres wieder gehabt, obwohl ich es besser weiß- daher war es mir so wichtig mir nochmal Gedanken dazu zu machen und vielleicht ein paar Gedanken dazu aufzuschreiben.

  2. Planerfrieden ist für mich, das richtige System inkl. Planer für den Moment, bzw für das Jahr gefunden zu haben. Ich habe dann eine unglaubliche Ruhe und Zufriedenheit in mir. Ich bin raus aus dem Planerfrieden, wenn ich wieder bei IG zu viel sehe. Dann werd ich wieder hektisch.
    Ich liebe das Ausprobieren neuer Systeme, ich liebe Abwechslung. Es darf nur nicht in Stress ausarten. Und ich persönlich, mag es nicht, innerhalb eines Jahres zu wechseln. Ich hab immer gern 1 Jahr komplett beisammen.
    Schöne Kolumne, liebe Tamara. Freue mich auf weitere Beiträge.
    Liebe Grüße
    Vio

    1. Liebe Viola,
      ja, Instagram ist der Hass. So viele tolle Accounts, so viele tolle Ideen. Wichtig ist nur im Hinterkopf zu haben, dass es nicht unbedingt für uns passt, nur weil es bei anderen toll aussieht- muss ich mir auch immer wieder in den Kopf zurück rufen. Und ja, mir fehlte in den letzten Jahren auch alles dann irgendwie auf einen Blick zu haben, aber dafür haben wir ja den Muji, stimmts?
      Danke für dein Feedback!

  3. Hallo Tamra,
    ich stimme dir zu 100% zu. Ich habe auch lange nach diesem Planerfrieden gesucht und mir so einen Druck gemacht. Aber irgendwann dachte ich- wer schreibt es denn vor wie dieser Planerfrieden auszusehen hat? Ja dann nutze ich eben mehrere Systeme oder wechsele zwischendurch. Aber so lange es mir damit gut geht und ich Spaß daran habe, so lange habe ich meinen persönlichen Planerfirden gefunden 🙂

    Liebe Grüße
    Jessi

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